Fast ein Drittel der serbischen Oberschüler*innen konsumiert Alkohol im Übermaß

28.3.2026

Die aktuelle ESPAD‑Erhebung zum Alkohol‑ und Drogenkonsum unter Jugendlichen zeigt, dass Serbien beim Rauschtrinken über dem europäischen Durchschnitt liegt. Während in vielen westeuropäischen Ländern – etwa Island oder den nordischen Staaten – der Alkoholkonsum unter Jugendlichen deutlich zurückgeht, bleibt dieser Trend in Serbien aus. Jugendliche trinken hier häufiger und intensiver als ihre Altersgenossen in Europa. Expert*innen sehen darin ein Zeichen dafür, dass Alkohol weiterhin als selbstverständlicher Bestandteil der Sozialisation gilt. Die Studie erfasste knapp 114.000 Schüler*innen im Alter von 15 und 16 Jahren aus 37 europäischen Ländern, darunter Serbien. Die nationale Stichprobe umfasste 3.835 Schüler*innen der ersten beiden Oberschulklassen. Die Ergebnisse zeigen: Alkohol ist in Serbien nach wie vor die zugänglichste und am weitesten verbreitete Substanz. Über 80 Prozent der Jugendlichen geben an, leicht an Alkohol zu kommen und mehr als die Hälfte hat im letzten Monat mindestens ein alkoholisches Getränk konsumiert. Trotz eines leichten langfristigen Rückgangs bleibt Rauschtrinken ein gravierendes Problem – fast ein Drittel der Befragten berichtet, sich im letzten Monat betrunken zu haben. Im Gegensatz dazu liegt der Cannabiskonsum serbischer Jugendlicher deutlich unter dem europäischen Niveau. Während in Ländern wie Tschechien, Frankreich oder Italien ein Fünftel bis ein Drittel der 15‑ bis 16‑Jährigen Cannabis probiert hat, sind es in Serbien lediglich rund fünf Prozent. Fachleute führen dies teils auf einen Verschiebungstrend hin zu digitalen Aktivitäten zurück – insbesondere Gaming und Online‑Glücksspiele. Besorgniserregend ist die Entwicklung im Bereich Glücksspiel: Serbische Jugendliche zählen hier zu den Negativspitzenreiter*innen Europas: 14 Prozent der 15‑ und 16‑Jährigen spielen, was über dem europäischen Durchschnitt liegt. Die hohe Dichte von Wettbüros in unmittelbarer Nähe zu Schulen erleichtert Jugendlichen den Zugang erheblich – anders als in den meisten EU‑Ländern, wo Glücksspiel stärker reguliert und räumlich vom Alltag abgeschirmt ist. Die Forscher*innen warnen daher vor einer problematischen Form der "Modernisierung": Während Jugendliche weniger zu Cannabis oder Zigaretten greifen, steigen digitale Abhängigkeiten und Glücksspielverhalten deutlich an.

Quelle: Politika, Belgrad