City News

 

Jeden Mittwoch informieren unsere City News über relevante Entwicklungen aus unserem Städtenetzwerk in Mittel- und Südosteuropa. Das City News Archiv lädt zur weiterführenden Lektüre ein.

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Belgrad / Serbien

Vierter großer Student*innenprotest im Zentrum Belgrads

Am Samstag, dem 23. Mai 2026, veranstaltete die Bewegung "Studierende im Protest" in Belgrad ihre mittlerweile vierte große Kundgebung im Stadtzentrum auf dem Slavija-Platz. Dabei forderten die Student*innen erneut Neuwahlen und riefen die Staatsanwaltschaft dazu auf, ihre Arbeit unabhängig und konsequent wahrzunehmen. Nach Berichten einzelner Medien nahmen rund 200.000 Menschen an der Versammlung teil. Die Redner*innen präsentierten Teile eines politischen Programms, das unter anderem Reformen in den Bereichen Justiz, Gesundheitswesen, Bildung, Landwirtschaft und Kultur umfasst. Mehrere Stunden vor Beginn der Kundgebung auf dem Slavija-Platz trafen im Pionirski-Park zahlreiche Unterstützer*innen der regierenden Serbischen Fortschrittspartei (SNS) ein. Die zunächst friedlich verlaufene regierungskritische Kundgebung eskalierte später, als es zu Zusammenstößen zwischen unterschiedlichen Demonstrant*innengruppen – darunter auch Fußball-Hooligans – sowie der Polizei kam. Die anhaltenden, massiven Proteste von Studierenden und Bürger*innen gegen die Regierung waren nach der Tragödie am Bahnhof von Novi Sad entstanden, bei der 16 Menschen ums Leben kamen und eine weitere Person schwer verletzt wurde. Anderthalb Jahre nach diesem Unglück sind weder die Verantwortlichkeiten abschließend geklärt noch wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Die Studierenden fordern sowohl strafrechtliche als auch politische Konsequenzen für die Ereignisse sowie die Ausschreibung vorgezogener Parlamentswahlen. Der serbische Präsident Aleksandar Vučić (SNS) erklärte in dieser Woche, dass entsprechende Wahlen im Zeitraum zwischen September und November 2026 angesetzt werden sollen.

Sofia / Bulgarien

Modernes biomedizinisches Forschungszentrum wird in Sofia errichtet

Die Stadt Sofia beteiligt sich aktiv an der Umsetzung des strategischen Forschungszentrums BioMedRTC am Institut für Molekularbiologie der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften. Das Projekt wird mit europäischen Mitteln finanziert und in Zusammenarbeit mit führenden internationalen Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck-Institut in Deutschland und dem Institut Curie in Frankreich realisiert. Der entscheidende Beitrag der Stadt besteht darin, administrative Prozesse zu erleichtern – insbesondere die Erstellung und Genehmigung des detaillierten Bebauungsplans –, was sich als Schlüsselvoraussetzung für den Projektstart erwiesen hat. Das neue Zentrum wird ein modernes Arbeitsmodell in der bulgarischen Wissenschaft einführen, indem hochmoderne Forschungseinrichtungen (sogenannte Core Facilities) aufgebaut werden. Diese bieten fortschrittliche Technologien und Methoden in der Biomedizin, die sowohl nationalen als auch internationalen Wissenschaftler*innen und medizinischen Fachkräften zugänglich sein werden. Gleichzeitig liegt ein starker Fokus auf der Förderung junger Talente durch die Schaffung unabhängiger Forschungsgruppen, die von einer neuen Generation wissenschaftlicher Führungskräfte geleitet werden. Es wird erwartet, dass das Projekt nicht nur das Niveau der wissenschaftlichen Forschung in Bulgarien erhöht, sondern auch Sofia als attraktives Zentrum für Innovation, internationale Kooperation und Investitionen in Wissenschaft und Wissen positioniert.

Zagreb / Kroatien

Robotaxi-Vorzeigeprojekt endet mit Rückzahlung von kroatischen Fördermitteln

Das kroatische Robotaxi-Projekt des Unternehmers Mate Rimac steht vor einem politischen und finanziellen Wendepunkt. Nach Medienberichten will sein Unternehmen Verne rund 89 Millionen Euro aus dem Nationalen Aufbau- und Resilienzplan zurückzahlen und zugleich auf weitere Fördermittel aus dem ursprünglich mit 179 Millionen Euro dotierten Projekt verzichten. Das Vorhaben galt lange als politisches Prestigeprojekt: Premierminister Andrej Plenković (HDZ - Kroatische DEmokratische Gemeinschaft) und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchten das Unternehmen und verschafften dem Projekt zusätzliche öffentliche Sichtbarkeit. Kürzlich hat Verne mit dem chinesischen Partner Pony.ai einen Robotaxi-Dienst in Zagreb gestartet, der jedoch nicht Teil des EU-geförderten Projekts ist. Politisch heikel ist vor allem die zeitliche Abfolge. Laut Medieninformationen wurde dem Projekt im März beziehungsweise April eine Fristverlängerung bis 31. August 2026 gewährt, obwohl die Regierung bereits über den geplanten Rückzug informiert gewesen sein könnte. Damit stellt sich die Frage, ob Öffentlichkeit und EU-Institutionen über den tatsächlichen Stand des Projekts ausreichend informiert wurden. Zusätzlichen Druck erzeugt das technische Konzept des ursprünglichen Vorhabens. Geplant waren vollständig fahrerlose Fahrzeuge. Diese Technologie gilt jedoch weiterhin als nicht marktreif und ist im regulären Straßenverkehr nirgendwo in kommerzieller Form im Einsatz.

Prag / Tschechien

Rückhaltebecken soll Prager Kanalisation bei Starkregen entlasten

Die Stadt Prag setzt gemeinsam mit der Prager Wasserwirtschaftsgesellschaft (PVS) den Ausbau des Hochwasserschutzes im Stadtteil Karlín fort. Im Mittelpunkt steht der Bau eines weiteren Rückhaltebeckens, das Mitte 2028 fertiggestellt werden soll. Die letzte Phase des Projekts wird auf 14,5 Millionen Euro geschätzt. Ziel sei, die Kapazität des Kanalisationsnetzes zu erhöhen, den Schutz vor Hochwasser zu verbessern und die Verschmutzung der Moldau bei Starkregen zu verringern. Karlín gehört zu jenen Prager Stadtteilen, die bei Überschwemmungen im Jahr 2002 besonders schwer betroffen waren. Seither werden die Schutzmaßnahmen entlang der Moldau und im unterirdischen Kanalisationssystem schrittweise ausgebaut. Die bereits abgeschlossenen Bauphasen umfassten unter anderem eine Schleusenkammer, ein Hochwasserschutzwehr, technische Anlagen sowie eine Erweiterung der Kanalkapazitäten. Das bestehende Rückhaltebecken konnte im Jahr 2024 insgesamt 35.161 Kubikmeter verdünntes Abwasser auffangen und damit die Einleitung von Schadstoffen in die Moldau deutlich reduzieren. Der südliche Teil des neuen Beckens soll ein Volumen von 6.000 Kubikmetern haben und befindet sich bereits in der Bauphase. Parallel dazu ist in der Šaldova-Straße die Vergrößerung eines unzureichenden Kanalabschnitts geplant, mit Baubeginn im Juni 2026. Die letzten Bauabschnitte sollen April 2028 fertiggestellt werden.

Prag / Tschechien

Größter Gemeinschaftsgarten Tschechiens entsteht mitten in Prag

In Prag entsteht aktuell der größte Gemeinschaftsgarten des Landes. Auf einem fünf Hektar großen Gelände nahe dem Wald Velký háj im Stadtteil Krč wird seit April das Projekt "Velký háj" entwickelt, das künftig nicht nur als Gartenanlage, sondern auch als sozialer und pädagogischer Treffpunkt dienen soll. Das lange ungenutzte Areal wird schrittweise in eine großflächige Gemeinschaftszone mit Obstbäumen, Hochbeeten, Blumenwiesen und Anbauflächen umgewandelt. Bereits wenige Wochen nach Beginn der Arbeiten sind erste sichtbare Fortschritte erkennbar. Dutzende Obstbäume und Sträucher wurden gepflanzt, erste Beete angelegt und ein Container für Gartengeräte eingerichtet. Nach Angaben der Organisator*innen haben sich bislang rund 150 Menschen an dem Projekt beteiligt, weitere Interessierte kommen laufend hinzu. Die feierliche Eröffnung fand im Beisein von Vertreter*innen des vierten Prager Stadtbezirkes, Mitgliedern der entstehenden Gemeinschaft sowie Expert*innen für nachhaltige Stadtentwicklung statt. Die Bezirksverwaltung unterstützt das Projekt organisatorisch und infrastrukturell unter anderem bei der Wasserversorgung und bei der Suche nach Fördermitteln. Die kommenden Monate sollen vor allem dem weiteren Ausbau der Infrastruktur dienen. Geplant sind zusätzliche Gartenflächen, eine größere Blumenwiese sowie weitere Gemeinschaftsbereiche für Veranstaltungen und Bildungsaktivitäten.

Belgrad / Serbien

EXPO 2027: Belgrad setzt auf Großprojekte zur Stadtentwicklung

​Belgrad tritt im Vorfeld der EXPO 2027 in eine neue Phase umfangreicher Infrastrukturprojekte ein. Diese sollen das Stadtbild verändern, den Verkehr verbessern und den Bürger*innen neue Räume entlang von Save und Donau erschließen, erklärt Stadtmanager Miroslav Čučković (SNS – Serbische Fortschrittspartei). Zu den Prioritäten zählen die Vorbereitungen für die EXPO, der Start großer Infrastrukturvorhaben wie der Bau der Belgrader U-Bahn sowie ein Tunnel von der Wirtschaftsfakultät bis zur Despota-Stefana-Straße. Promenaden auf der Seite von Neu-Belgrad und Zemun sowie im Abschnitt von Belgrad am Wasser bis zur Ada Ciganlija sollen neu gestaltet werden. Donauufer, Save-Deich und bislang vernachlässigte Flächen werden in Promenaden, Parks und Ra​dwege umgewandelt, mit dem Ziel, Belgrad wieder stärker an seine Flüsse anzubinden und den Zugang für die Bevölkerung zu öffnen.​ Geplant sind zudem zwei Brücken, eine Fuß- und Radwegbrücke, die den Turm in Belgrad am Wasser mit dem Riesenrad verbindet, sowie eine Verkehrsbrücke mit Straßenbahngleisen und Zufahrtsboulevards von Neu-Belgrad. Eine neue Brücke soll die linke und rechte Flussseite verbinden und insbesondere die Anbindung von Mirijevo, Karaburma und Višnjica an das Stadtzentrum verbessern, so Čučković. Dadurch wird eine spürbare Entlastung des Innenstadtverkehrs erwartet: Mehr als 30 Linien des öffentlichen Verkehrs sollen künftig nicht mehr durch das Zentrum führen, wodurch Staus und Umweltbelastungen reduziert werden.