Panel bei den Energietagen 2026 in Berlin

Energietage 2026: Wien und Berlin im Austausch zur klimaneutralen Stadt der Zukunft

5.5.2026

Wie gelingt die Dekarbonisierung europäischer Metropolen? Welche Rolle spielen dabei kommunale Energieversorger, Netzinfrastruktur und Politik? Und wie lernen Städte voneinander? Mit diesen Fragen beschäftigte sich Anfang Mai eine Wiener Delegation bei den Berliner Energietagen 2026.

Der Austausch war ein Folgeprojekt der Vienna Science Days 2024, die zuvor vom Internationalen Büro der Stadt Wien in Berlin organisiert worden war. Bereits damals entstand im Gespräch der Wien Energie mit Berliner Kolleg*innen aus der Energieversorgung die Idee, den Wissenstransfer zwischen den beiden Metropolen durch ein gemeinsames Panel zu vertiefen. Die Möglichkeit dazu bot sich kurzfristig im Rahmen der Berliner Energietage, dem größten Energiekongress im deutschsprachigen Raum.

Transformation durch kommunale Energieversorgung

Im Mittelpunkt der jährlich stattfindenden Berliner Energietage stehen Fragen der Wärmewende, Versorgungssicherheit und Netzinfrastruktur in urbanen Räumen. Mehr als 300 Expert*innen und zahlreiche Institutionen aus Deutschland und Europa beteiligen sich am Kongress. Der zweite Tag stand dieses Jahr ganz im Zeichen des Austauschs zwischen Wien und Berlin. Unter dem Titel "Dekarbonisierungsstrategien in europäischen Metropolen – Case Study Wien/Berlin" ging es Vertreter*innen beider Städte um konkrete Lösungsansätze für die klimaneutrale Transformation von Energie- und Wärmesystemen.

Dabei wurde deutlich, dass urbane Räume vor ähnlichen Herausforderungen stehen: steigender Energiebedarf, geopolitische Unsicherheiten, notwendige Investitionen in Infrastruktur sowie die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung. Ein zentraler Diskussionspunkt war die zunehmende Rekommunalisierung kritischer Infrastruktur in europäischen Städten. Strom, Wärme und Wasser würden zunehmend wieder in öffentliche Verantwortung überführt, da gerade kommunale Steuerung ein entscheidender Hebel für die Energiewende sei. Während Wien seine Stadtwerke nie privatisiert habe, investiere Berlin aktuell massiv in den Ausbau und die Resilienz seiner Energieinfrastruktur.

Netzausbau und Versorgungssicherheit

Besonders hervorgehoben wurde die Rolle der Wärmewende. Rund 40 Prozent der CO2-Emissionen in Städten entstehen durch Wärmeversorgung – entsprechend zentral sei deren Dekarbonisierung für das Erreichen der Klimaziele. Zur Diskussion standen Lösungen wie Fernwärme, erneuerbare Energiequellen, Wasserstofflösungen sowie die Nutzung urbaner Potenziale wie Solarenergie auf Dächern oder Wärme aus Abwassersystemen.

Die Transformation hin zu klimaneutralen Städten sei nur möglich, wenn parallel massiv in Netzinfrastruktur, Kapazitäten und Versorgungssicherheit investiert werde. Wien und Berlin verfügen dabei über vergleichbare Netzdimensionen und stehen vor ähnlichen technischen Herausforderungen. Gleichzeitig könne der Wandel nur gelingen, wenn Städte die Menschen aktiv mitnehmen. Verantwortung dürfte nicht ausschließlich auf Einzelne übertragen werden. Kommunen müssten eine aktive Rolle einnehmen und langfristige Investitionen ermöglichen.

Trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen wurde im Panel deutlich, dass Wien und Berlin ähnliche Strategien verfolgen – der gegenseitige Austausch war daher ein wertvoller Beitrag. Für Wien sprachen, neben Gemeinderat und Landtagsabgeordnetem Josef Taucher, auch Vertreter*innen aus Energiewirtschaft und Netzinfrastruktur. Die Berliner Seite war durch die Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Franziska Giffey, sowie Akteur*innen aus Wärme- und Stromnetzversorgung vertreten.

Weitere Informationen

Energietage 2026
Wien und Berlin für klimaresiliente Stadtquartiere
So organisieren Wien und Berlin die Klimaneutralität
Vienna Science Days Berlin 2024