Garteln und Upcycling: Nachhaltiger Austausch zwischen Brünn und Wien

22.8.2023

In der Stadt spielen Grünflächen eine zentrale Rolle für das städtische Klima, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung. Zur Erweiterung und sinnvollen Nutzung dieser Grünflächen hat sich das Konzept des Urban Gardenings bewährt. Die Beratungsstelle "Garteln in Wien" der Bio Forschung Austria bietet enthusiastischen Hobby-Gärtner*innen informative Unterstützung und wertvolle Tipps zu diesem Thema. Am 22. August 2023 besuchte eine neunköpfige Delegation aus Brünn Wien, um einerseits die Möglichkeiten des urbanen Gärtnerns in der Stadt zu erkunden und andererseits Einblicke in die Abfallvermeidungspraktiken Wiens zu gewinnen.

Der Trend zum urbanen Gärtnern ist in Wien seit beinahe 20 Jahren ungebrochen. Mehrere städtische, stadtnahe und private Organisationen sind aktiv daran beteiligt, eine breite Palette von Möglichkeiten zu entwickeln, um im öffentlichen Raum zu gärtnern. Im Jahr 2016 wurde im Auftrag der Forst- und Landwirtschaftsbetriebe der Stadt Wien das Kompetenzzentrum "Garteln in Wien" in der Bio Forschung Austria als zentrale Informations- und Servicestelle rund um das Thema Urban Gardening in der Stadt eingerichtet. Wer nicht über eine eigene Grünfläche oder Balkon verfügt, kann den grünen Daumen im öffentlichen Raum einsetzen. Die Beratungsstelle der Bio Forschung Austria berät bei allen Fragen rund um Urban Gardening. Mit diesen Projekten und der Möglichkeit einer aktiven Teilnahme schafft die Stadt partizipative Räume zum Wohlfühlen, Vernetzen und Einbringen.

Die neunköpfige Delegation aus Brünn unter der Leitung des Brünner Vizebürgermeisters für Umweltfragen stattete der Bio Forschung Austria einen Besuch ab, um mehr über das Projekt “Garteln in Wien” zu erfahren. Zu Beginn wurden ihnen die Geschichte und die Mission dieser Institution nähergebracht. Österreichs erstes Forschungsinstitut für biologischen Landbau gibt Interessierten Ratschläge zum Thema vorbeugendem Pflanzenschutz und natürlicher Schädlingsregulation.

Anpassung an die Klimaveränderung

Darüber hinaus bekam die Brünner Delegation einen Einblick in verschiedene Projekte rund um das Thema Garteln, darunter das Interreg Projekt SYM:BIO. Dabei handelt es sich um eine grenzüberschreitende Kooperation zwischen der Mendel-Universität Brünn und der Bio Forschung Austria. Es wird das Ziel verfolgt, Schlüsselakteur*innen der Grünraumgestaltung und -pflege miteinander zu vernetzen und das große Potenzial öffentlicher Grünflächen und naturnaher Gärten zur Klimawandelanpassung aufgezeigt. Dadurch soll eine nachhaltige Förderung der biodiversitätsfördernden und trockenheitsangepassten Bewirtschaftung von Grünflächen erreicht werden.

Ein Höhepunkt des Besuchs war die Besichtigung der sogenannten Wurzelarena, einer drei Meter breiten und 2,5 Meter tiefen Glasscheibe, die Einblicke in das Wurzelsystem verschiedener Pflanzen gewährt. In Folge wurde die Brünner Delegation durch den Garten der Bio Forschung Austria geführt. Dieser bietet eine Vielfalt an alten, seltenen und außergewöhnlichen Nutzpflanzensorten. Die Beteiligten hatten die Möglichkeit, bereits ausgestorbene Arten zu bewundern und zu verkosten. Im Anschluss daran begab sich die Delegation in die Seestadt Aspern, um einen Gemeinschaftsgarten zu besichtigen, der von einem örtlichen Verein betrieben wird.

48er-Tandler: Innovative Abfallvermeidung

Ein weiteres Highlight des Tages widmete sich der Abfallvermeidung in Wien. Dazu besuchte die Delegation den 48er-Tandler in Margareten, um einen Überblick über die Abfallvermeidungsmaßnahmen zu erhalten und die Aktivitäten der Abteilung für Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark der Stadt Wien (MA 48) kennenzulernen. Das erfolgreiche Abfallvermeidungsprojekt der MA 48, das seit 2015 aktiv ist, zielt darauf ab, Abfall zu reduzieren, indem funktionsfähige Gebrauchsgegenstände eine zweite Chance erhalten und weiterverkauft werden. Die Delegationsteilnehmer*innen waren von dieser Idee der Wiederverwendung beeindruckt, die nicht nur Ressourcen schont, sondern auch die Lebensdauer der Gegenstände erheblich verlängert. Der Besuch endete mit der Möglichkeit für die Delegationsmitglieder, das vielfältige Warenangebot des 48er-Tandler in Margareten zu erkunden und Artikel aus dem Sortiment zu erwerben.

Im Hinblick auf die Zukunft wurde ein verstärkter Austausch zu Umweltthemen zwischen Wien und Brünn vereinbart. Zudem plant Brünn die Einführung eines Tandlers nach Wiener Vorbild. Auch das Konzept der Gemeinschaftsgärten, das neben den ökologischen Aspekten auch eine soziale Komponente beinhaltet, soll in Brünn implementiert werden.

Weitere Informationen

Bio Forschung Austria
Garteln in Wien – Stadt Wien
Projekt SYM:BIO
Seestadt  Aspern
Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) – Stadt Wien
48er-Tandler – Stadt Wien