Erstes offenes Frauengefängnis Tschechiens im Prager Umland

22.3.2026

In der Nähe von Prag entsteht derzeit die erste offene Haftanstalt für Frauen in Tschechien. Die neue Einrichtung wird auf dem Gelände des Gefängnisses in Velké Přílepy errichtet und soll mehr als 30 verurteilten Frauen Platz bieten. Ziel des Projekts ist es, die Insassinnen gezielt auf die Rückkehr in ein selbstständiges Leben vorzubereiten und die Rückfallquote zu senken. Die Baukosten belaufen sich auf 3,3 Millionen Euro. Nach Einschätzung des Justizministeriums könnte sich diese Investition langfristig auszahlen, da offene Vollzugsformen nachweislich zu geringerer Rückfälligkeit führen. Während die Rückfallquote bei herkömmlichen Haftformen in Tschechien bei über 60 Prozent liegt, soll sie im offenen Vollzug bei etwa 20 Prozent liegen. Das Konzept der offenen Haft basiert auf mehr Eigenverantwortung und gesellschaftlicher Integration. Die Frauen werden nicht in klassischen Zellen untergebracht, sondern in kleineren Wohneinheiten und übernehmen alltägliche Aufgaben wie Haushaltsführung und Instandhaltung. Zudem sollen sie außerhalb der Haftanstalt arbeiten und aktiv am Leben in der umliegenden Gemeinde teilnehmen. Der Aufenthalt in einer offenen Haftanstalt ist an strenge Bedingungen geknüpft. Voraussetzung sind unter anderem gutes Verhalten, die Einstufung in eine niedrigere Sicherheitskategorie sowie die Bereitschaft zur Arbeit und zur Teilnahme an Resozialisierungsmaßnahmen. Neben den Wohngebäuden entstehen auch administrative Einrichtungen, Schulungsräume für berufliche Qualifizierung und therapeutische Angebote. Ergänzt wird das Areal durch Grünflächen und Freizeitmöglichkeiten, die den offenen Charakter der Einrichtung unterstreichen. Das Modell offener Gefängnisse wird in Tschechien bereits seit 2017 in einer Männeranstalt erprobt und gilt als erfolgreich. Mit dem neuen Projekt in Velké Přílepy wird dieses Konzept nun erstmals auch auf den Frauenvollzug ausgeweitet.

Quelle: novinky.cz,