Im Zuge der Sanierung von Franziskanerkirche und -kloster am Kaptol haben archäologische und denkmalpflegerische Untersuchungen neue Erkenntnisse zur frühen Kirchenarchitektur Zagrebs erbracht. Gefundene Baureste früherer Kirchen deuten darauf hin, dass die erste Kathedrale nicht am heutigen Standort lag, sondern rund 200 Meter nördlich im Bereich des heutigen Franziskanerkomplexes. Freigelegt wurden unter anderem Teile eines Kapitelsaals, Fragmente eines gotischen Rippengewölbes sowie 65 Gräber, von denen eines um 1100 datiert wird. Die Befunde sprechen für ein benediktinisches Kloster mit einer dem Erzengel Gabriel geweihten Kirche, was zur frühmittelalterlichen Bezeichnung Zagrebs als San Gabriel passt. Fachleute sehen darin einen Hinweis auf die zentrale Rolle des Komplexes für die Entwicklung des frühen kirchlichen und urbanen Zentrums. Die Sanierung ermöglicht zudem teilweise Rekonstruktionen ursprünglicher Bauelemente und trägt zu einer Neubewertung der Frühgeschichte Zagrebs und des 1094 gegründeten Bistums bei. Da das Gebiet um die Kathedrale bislang nur unzureichend erforscht ist, seien weitere Erkenntnisse möglich.