Wien-Berlin: Strategien für die Wärmewende und Dekarbonisierung des Gebäudesektors
13.10.2026
Eine aus Fachexpert*innen bestehende Berliner Delegation besuchte Wien vom 13. bis 15. Oktober 2026. Im Fokus des Austauschs mit den Wiener Kolleg*innen standen Strategien und Instrumente zur Umsetzung der Wärmewende sowie zur Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Ergänzt wurde das Fachprogramm durch Exkursionen zum Projekt Smarter Together in Simmering, der Großwärmepumpe Simmering, Roots Energy, der Energiegemeinschaft EEG SmartCity Baumgarten sowie dem Smart Block Geblergasse.
Beim über den City-to-City Exchange der European Urban Initiative (EUI) finanzierten Besuch der Berliner*innen wurde insbesondere die Rolle von Fernwärme, lokalen Wärmenetzen, erneuerbaren Energiequellen sowie geeigneten rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen diskutiert. Ausgangspunkt der Diskussion mit den Expert*innen der Abteilung Energieplanung (MA 20) und der Abteilung Technische Stadterneuerung (MA 25) war die Frage, wie die Transformation der Wärmeversorgung in großem Maßstab umgesetzt und erfolgreiche Pilotprojekte in die Breite getragen werden können.
Die Stadt Wien verfolgt das Ziel, bis 2040 vollständig aus fossilen Energieträgern in der Wärmeversorgung auszusteigen. Zentrale Bausteine dieser Strategie sind etwa Ausbau und Dekarbonisierung der Fernwärme, Nutzung von Tiefengeothermie sowie Großwärmepumpen und Abwärmequellen. Der Wiener Wärmeplan 2040 dient dabei als strategische Grundlage für die räumliche Steuerung der zukünftigen Wärmeversorgung und definiert, in welchen Gebieten Fernwärme, lokale Wärmenetze oder individuelle Lösungen zum Einsatz kommen sollen. Vorgestellt wurden auch die Instrumente der Wiener Energieraumplanung und das digitale Gebäudedatenmodell, mit denen Wärmebedarf, Energiepotenziale und geeignete Versorgungsformen auf Quartiers- und Gebäudeebene analysiert werden. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Initiative "100+ Projekte Raus aus Gas".
Die Bedeutung von Prozessbegleitung und Beteiligung
Intensiv diskutiert wurden die Herausforderungen bei der Aktivierung von Wohnungseigentümer*innen. Als zentrale Hürden wurden komplexe Entscheidungsprozesse, unterschiedliche Interessenlagen, rechtliche Rahmenbedingungen sowie der hohe Abstimmungsbedarf zwischen Eigentümer*innen, Hausverwaltungen und Bewohner*innen genannt. Die Wiener Erfahrungen zeigen, dass neben technischen und finanziellen Lösungen insbesondere professionelle Prozessbegleitung, transparente Kommunikation und frühzeitige Beteiligung für den Erfolg von Dekarbonisierungsmaßnahmen entscheidend sind.
In der abschließenden Reflexion wurden die Wiener Erfahrungen auf ihre Übertragbarkeit auf Berlin geprüft. Als zentrale Erfolgsfaktoren wurden langfristige strategische Planung, ausreichende Fördermittel, klare rechtliche Rahmenbedingungen, engagierte Akteur*innen sowie eine verständliche und positive Kommunikation identifiziert. Der Fachaustausch wird bei einem bereits vereinbarten Gegenbesuch der Wiener Expert*innen in Berlin Ende November fortgesetzt.
Weitere Informationen
City-to-City Exchanges – European Urban Initiative (Englisch)
Wiener Wärmeplan 2040 – Stadt Wien
"Raus aus Gas" – Stadt Wien
Abteilung Energieplanung (MA 20) – Stadt Wien
Abteilung Technische Stadterneuerung (MA 25) – Stadt Wien
