Im Berliner Bezirk Marzahn‑Hellersdorf häufen sich die Fälle von sogenanntem Grooming und sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. So wurden im ersten Halbjahr 2025 bereits genauso viele Fälle gemeldet wie im gesamten Jahr 2024. Jugendstadtrat Gordon Lemm (SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands) geht davon aus, dass die tatsächliche Anzahl der Betroffenen "fünfmal so hoch" ist wie die offiziell registrierten Fälle. Lemm vermutet, dass Täter gezielt nach Marzahn-Hellersdorf kommen, weil die dortigen sozialen Umstände ihre Taten begünstigen. Jedes vierte Kind wächst hier in Armut auf, hinzu kommen Anonymität in den Großsiedlungen und zerrüttete Familienverhältnisse. Laut der familienpolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion in Marzahn-Hellersdorf, Stephanie Inka Jehne, würden Täter Vertrauen aufbauen, indem sie materielle Lücken füllen würden, die in überlasteten Familien entstünden. Sie würden Orte zum Zeitvertreib, die neueste Spielekonsole oder auch Drogen anbieten. Dafür hätten sie eine eigene Infrastruktur geschaffen, etwa eine Hochhauswohnung, die für Kinder wie ein Zufluchtsort wirkt, tatsächlich aber eine Falle ist. Eine bessere Aufklärung über diese Strategien sei vonnöten ebenso wie die Wachsamkeit in der Nachbar*innenschaft. Beobachtungen könnten auch anonym an das Jugendamt gemeldet werden.