Sofias Bürgermeister Vassil Terziev empfing die Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Aslıhan Bozatemur

Gespräche zur europäischen Städtepolitik vor Wiener Ball in Sofia

21.2.2026

Einmal im Jahr findet auch in Sofia ein traditioneller Wiener Ball statt. Die heurige Veranstaltung war ein willkommener Anlass für beide Hauptstädte, sich über die aktuellen Schwerpunkte in den Stadtverwaltungen auszutauschen. Sofias Bürgermeister Vassil Terziev empfing dahingehend vor dem Ballabend die Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Aslıhan Bozatemur für ein konstruktives Fachgespräch.

Der Wiener Ball am 21. Februar stand in diesem Jahr nicht nur unter Schirmherrschaft des Bürgermeisters von Sofia, sondern auch unter der Schirmherrschaft des Landeshauptmanns und Bürgermeister von Wien, Dr. Michael Ludwig, sowie der österreichischen Botschafterin in Bulgarien, Andrea Ikić-Böhm. Die Erlöse gingen an die karitative Stiftung "Komm auch Du" ("Ela i Ti").

Sofias Reformagenda nimmt Fahrt auf

Beim Austausch vor der Veranstaltung waren sich Bürgermeister Terziev und Gemeinderätin Bozatemur über die Rolle der Europäischen Union (EU) für städtische Politik einig. Denn angesichts der aktuellen globalen Entwicklungen wünschen sich beide mehr entscheidungsfähiges Handeln aus Brüssel. Für Sofia seien jedenfalls fortschrittliche Projekte essenziell, stets unter Einbezug von Expert*innen, um EU‑Fördermittel effektiv nutzen zu können. Infrastruktur und Digitalisierung sind laut Bürgermeister Terziev aktuell Schwerpunkte in Sofia.

Im Gegensatz zu Wien sind in Sofia viele Gemeindewohnungen privatisiert worden. Waren es in den 1990ern noch rund 100.000, sind heute nur noch etwa 7.000 Einheiten im Besitz der Stadt. Ein Social-Housing-Projekt müsse, so Terziev, langfristig angelegt werden. Sofias Stadtverwaltung will zudem alle öffentlichen Dienstleistungen digitalisieren. Geht es nach Terziev, können Städte im globalen Umfeld nur Schritt halten, wenn sie sich im gleichen Tempo weiterentwickeln – wobei eine digitale Verwaltung auch den Bürger*innen zugutekommen müsse.

Wiener Öffi-Jahreskarte als Best Practice für Sofia

Besonderes Interesse zeigte Gemeinderätin Bozatemur an der neu geschaffenen Sofioter Verwaltungsstruktur im Bereich Sicherheit. Immerhin zählt Sofia zu den sichersten Städten Europas. Obwohl die Kriminalitätsraten niedrig sind, verfolge die Stadt einen präventiven Ansatz, wie Terziev erklärte.

Trotz eines hohen Bruttoinlandsprodukts der bulgarischen Hauptstadt stießen manche Projekte aber auf Schwierigkeiten. Denn die Einnahmen würden an den Staat gehen, mit dem die Stadt aufgrund politischer Differenzen nicht immer auf einer Linie sei.

Herausforderungen gäbe es zurzeit bei der Müllentsorgung oder im Verkehrswesen. Inzwischen gibt es etwa ein an das Wiener Best Practice angelehntes Öffi-Jahresticket für 365 Lewa beziehungsweise umgerechnet 185 Euro seit der Einführung der EU-Währung in Bulargien am 1. Jänner 2026 . Der Bürgermeister von Sofia strebt darüber hinaus ein leistungsorientiertes Bonussystem und andere Investitionen an, um etwa dem Mangel an Busfahrer*innen und Mechaniker*innen entgegenzuwirken.

Weitere Informationen

Stadt Sofia (Englisch)
Wiener Ball in Sofia 2026
Öffentliche Umfrage zur digitalen Transformation Sofias
27 Millionen Euro für Sofioter U-Bahn-Erweiterung und Sicherheit
Digitalisierung findet Stadt: Medienreise durch das smarte Wien