Im Nordbahnviertel

Partizipative Stadtentwicklung: Berliner Bezirk lernt von Wien

24.6.2026

Schaffung und Verdichtung von Wohnraum stellen aktuell die zentralsten stadtentwicklungspolitischen Themen in Berlin dar – so auch im zehnten Bezirk Marzahn-Hellersdorf. Da die Berliner Planer*innen bei Großbauvorhaben zunehmend mit Ablehnung in der Bevölkerung konfrontiert sind, rückt die Einbindung von Bürger*innen in die Gestaltung von öffentlichen Räumen in den Fokus. Expert*innen des Bezirksamtes Marzahn-Hellersdorf und die Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung besuchten am 24. Juni Wien, um sich mit Wiener Expert*innen über die Digitalisierung von Bauvorhaben, Nachverdichtung und partizipative Stadtentwicklung auszutauschen.

Zunächst präsentierten am Vormittag zwei Experten der Abteilung Baupolizei (MA 37) ihren Berliner Kolleg*innen das Wiener Digitalisierungsprojekt BRISE und dessen Weiterentwicklung. Ziel dieses von der EU geförderten Projekts ist, Baueinreichungen und -genehmigungen durch innovative digitale Technologien schneller, effizienter, transparenter und kostengünstiger zu gestalten. Damit soll die Servicequalität für Bürger*innen erheblich verbessert werden. Angesichts des starken Bevölkerungswachstums Wiens und der jährlich rund 13.000 bis 15.000 bearbeiteten Baueinreichungen soll BRISE die bisher oft langwierigen, papierbasierten Verfahren beschleunigen. BRISE kombiniert die vernetzte Planungsmethode für Gebäudemodelle BIM (Building Information Modeling), welche ein automatisiertes Prüfen von Einreichungen auf Basis von 3D-Modellen ermöglicht, Künstliche Intelligenz (KI) und Augmented Reality (AR) zur für Bürger*innen nachvollziehbaren Visualisierung. Dies ermöglicht der Stadt Wien, die Qualität des Antrages sicherzustellen. Die Berliner*innen konnten in diesem Themenbereich vom Wiener Know-how profitieren, da in Berlin etwa Prüfverfahren den Bauprozess noch sehr verlangsamen und die Qualität der Bauanträge seit Jahren sinkt.

Führung durch den klimafitten Stadtteil Nordbahnviertel

Am Nachmittag konnten sich die Berliner Expert*innen dann vor Ort einen praktischen Einblick in die größte innerstädtische Entwicklungszone Wiens verschaffen, bei der von Anbeginn auf Kooperation mit der Bevölkerung geachtet wurde. Zwei Expertinnen der Abteilung Stadtteilplanung und Flächenwidmung (MA 21) führten die Berliner*innen durch das Nordbahnviertel. Bei der Planung dieses Stadtentwicklungsgebiets wurden sowohl eine adäquate Bebauungsdichte als auch der Erhalt von Grünflächen berücksichtigt. Ein besonderer Fokus lag auf der Einbindung der Bürger*innen durch Beteiligungsprozesse und Befragungen, um die Akzeptanz des Projekts zu fördern. Aufgrund des langfristigen Planungshorizonts wurde mit der Widmungskategorie "Gemischtes Baugebiet" eine flexible Anpassung an zukünftige Bedürfnisse ermöglicht. Das städtebauliche Konzept umfasst eine ausgewogene Mischung aus sozialem und freifinanziertem Wohnraum, sowie Büro- und Geschäftsflächen. Gleichzeitig bleibt eine freie Mitte als Erholungsgebiet und Naturschutzzone erhalten, während die Bebauung an den Randbereichen verdichtet wurde. Ergänzend wurden kollaborative Wohnbauprojekte umgesetzt.

Der fachliche Austausch verdeutlichte, wie digitale Innovationen und kooperative Beteiligungsprozesse moderne Stadtentwicklung unterstützen können. Davon konnten die Berliner Expert*innen wichtige Anregungen mitnehmen.

Weitere Informationen

Kurzporträt Bezirk Marzahn-Hellersdorf – Stadt Berlin
Masterplan Partizipative Stadtentwicklung – Stadt Wien
Wien wird Wow – Stadt Wien
BRISE Vienna – Stadt Wien
Nordbahnviertel – Stadt Wien