Wien inspiriert Zagrebs Strategie für Inklusion und Barrierefreiheit

29.6.2026

Die kroatische Hauptstadt erarbeitet aktuell ihre neue Inklusionsstrategie 2030. Anlässlich dieses Vorhabens unternahm eine achtköpfige Delegation unter der Leitung von Gemeinderat Tomislav Medak, Vorsitzender des Gemeinderatsausschusses für Menschenrechte, und Lora Vidović vom Amt für soziale Wohlfahrt und Gesundheit Zagreb, vom 29. bis 30. Juni eine Studienreise nach Wien.

Zu Beginn stand ein Besuch beim Fonds Soziales Wien (FSW) auf dem Programm. Den Mittelpunkt des Gesprächs bildeten die Leistungen zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung. Besonders hervorzuheben in diesem Zusammenhang ist der Ansatz der Strategie Inklusives Wien 2030, der sowohl eine gesamtheitliche Sichtweise fördert als auch Menschen mit Behinderung in die Prozesse der Entscheidungsfindung miteinbezieht. Genau diesen Ansatz will Zagreb bei zukünftigen Planungen anwenden.

Im Anschluss an den angeregten Austausch wurde die vom gemeinnützigen Verein Jugend am Werk betriebene Tagesstruktur Im Werd besichtigt. Deren Leistungen umfassen teilbetreutes Wohnen, Wohngemeinschaften und Wohnhäuser. Diese Thematik war für die Zagreber Delegation insbesondere interessant, da es in Kroatien aufgrund der aktuellen Gesetzeslage schwierig ist, Menschen, die intensive Pflege benötigen und unter 65 Jahre alt sind, entsprechend zu versorgen.

Das Ziel: Inklusion automatisch mitdenken

In der barrierefreien Sport Arena Wien fand ein Termin mit der Vorsitzenden der Interessenvertretung der Menschen mit Behinderung, Christina Holmes, statt. Zentrale Themen umfassten persönliche Assistenz sowie die schulische Situation von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung. Kroatien verfolgt aktuell das Ziel, an jeder Schule eine inklusive Klasse zu etablieren. Beim anschließenden Treffen der Delegation mit der Menschenrechtsbeauftragten der Stadt Wien, Shams Asadi, wurde betont, dass das Ziel sein muss, die Inklusion aller Menschen automatisch mitzudenken.

Der zweite Tag des Wien-Besuchs begann erneut beim FSW. Dort stellte die stellvertretende Vorsitzende der Gemeinderätlichen Kommission für Inklusion und Barrierefreiheit, Gemeinderätin Astrid Rompolt, die Arbeit der Kommission vor. Das überparteiliche Beratungs- und Empfehlungsgremium des Wiener Gemeinderats analysiert die Lebenssituation von Menschen mit Behinderung und berät zu Maßnahmen zur Inklusion, Barrierefreiheit und Gleichstellung. Anschließend standen die Bereiche Kurzzeitbetreuung, Urlaubspflege, Assistenzangebote sowie Organisation und Finanzierung von Langzeitpflege und -betreuung im Vordergrund.

Danach besichtigte die Delegation die barrierefreie U-Bahn-Station Stadion. Der Konzernbeauftragte für Barrierefreiheit der Wiener Stadtwerke, Hans-Jürgen Groß, stellte unter anderem den neuen X-Wagen und die barrierefreien Notrufstellen vor. Den Abschluss des Studienbesuchs bildete ein Termin bei der Kompetenzstelle für barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen. Für die Vertreter*innen der Stadt Zagreb waren vor allem die Prozesse der Förderungsanträge für bauliche Änderungen und die Förderrichtlinien von hoher Relevanz.

Das große Interesse der Zagreber Delegation am Wiener Know-how in den Bereichen Inklusion und Barrierefreiheit zeigte, dass es viele Anknüpfungspunkte zwischen Zagreb und Wien gibt. Der Wunsch nach weiterem Austausch wurde von beiden Seiten bekräftigt, eventuell auch im Rahmen gemeinsamer Einreichungen von EU-Förderprojekten.

Weitere Informationen

Inklusives Wien 2030 – Fonds Soziales Wien
Tagesstruktur Im Werd – Jugend am Werk
Interessenvertretung der Menschen mit Behinderung – Stadt Wien
Menschenrechtsbüro – Stadt Wien
Barrierefreie Mobilität – Wiener Stadtwerke
Kompetenzstelle barrierefreies Planen, Bauen und Wohnen – Stadt Wien