Analyse der Schienensicherheit mit Delegation aus Sarajevo

Wiener Linien bieten Sarajevo Expertise beim Straßenbahn-Ausbau

27.4.2026

In Wien ist die Bim aus dem Stadtbild nicht wegzudenken. Inzwischen sind die Wiener Öffis aber auch im Ausland ein Best-Practice-Beispiel, das immer wieder für Interesse sorgt. Am 27. April empfingen die Wiener Linien daher eine Delegation des Sarajevoer Kommunalbetriebs für den öffentlichen Verkehr (GRAS). Sarajevo wird nämlich ihr Straßenbahnnetz erweitern und sucht nach erfolgreichen Erfahrungen zum Ausbau des Tramnetzwerks.

Seit dem fatalen Tram-Unfall in Sarajevo im Februar 2026 ist die Erweiterung der Straßenbahn besonders wichtig. Denn die Stadt hat nach der Tragödie alte Straßenbahnen aus dem Verkehr gezogen, was den Mangel an Wägen verschärft hat. Schon seit mehreren Jahren sind die Öffis für die Stadt Sarajevo eine Priorität, die nun auch die Kantonsregierung und das Verkehrsministerium gezielt unterstützen. Diesen Sommer soll die Strecke durch Hrasnica fertiggestellt werden, danach die Linien für Dobrinja und Šip.

GRAS ist mit Österreich spätestens seit dem Ende des Bosnienkriegs verbunden. Denn nachdem das Öffi-Netz in Sarajevo einen enormen Schaden von rund 30 Millionen Euro erlitten hatte, wirkten österreichische Hilfen maßgeblich am Wiederaufbau mit.

Finanzierung und Wartung der Öffis

Nun war anlässlich des Tram-Unfalls besonders die Wartung der Wiener Linien ein Fokus beim Fachaustausch. Hierzulande gibt es mehrere gesetzliche Vorgaben sowie Vorgaben der Fahrzeuglieferanten, darüber hinaus orientieren sich die Wiener Linien an den Empfehlungen des VDV (Verein deutscher Verkehrsbetriebe). Damit ist sichergestellt, dass die Fahrzeuge in Wien engmaschig gewartet und kontrolliert werden. Um die Sicherheit zu gewährleisten, sind ausgebildete Metallarbeiter*innen und Elektrotechniker*innen für die Reparaturen zuständig.  

Neben der Wartung spielte für die Expert*innen aus Bosnien-Herzegowina die Ausbildung eine wesentliche Rolle. Um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, bilden die Wiener Linien ihre Lehrlinge selbst aus – und werden in fast allen Fällen übernommen. Mitarbeiter*innen in der Leitstelle der Wiener Linien, die den U-Bahnverkehr regelt, wiederum müssen mindestens zwölf Monate lang als Fahrer*innen gearbeitet haben. Die Grundausbildung dauert drei Monate, bevor die Mitarbeiter*innen das erste Mal selbständig in der Leitstelle arbeiten dürfen.

Der U-Bahn-Ausbau in Wien schreitet indes weiter voran und wird durch ein Sonderbudget finanziert. Auch an den Straßenbahnlinien wird stetig gearbeitet: Zurzeit gibt es unter anderem an den Linien 18 und 46 temporäre Instandsetzungsarbeiten, die Linie 18 wird zusätzlich verlängert. Im September 2026 wird die Neubaustrecke eröffnet. Die Kosten für die Wiener Öffis werden zu mehr als 60 Prozent über die Einnahmen durch Tickets gedeckt, der Rest kommt durch den Finanzausgleich der Stadt Wien.

Weitere Informationen

Proteste in Sarajevo nach Tram-Tragödie und Rücktritt des GRAS-Direktors
Wiener Mobilitätsangebot als Inspiration für polnische Metropolregion
Wiener Linien
Stadt Sarajevo (Englisch)