Altkleider-Container der MA 48

Erfahrungsaustausch zwischen Wien und Sarajevo: Nachhaltiges Textilabfallmanagement und Kreislaufwirtschaft

4.5.2026

Nachhaltiges Textilabfallmanagement gewinnt für Städte zunehmend an Bedeutung. Am 4. Mai tauschten sich daher Vertreter*innen aus Sarajevo und Wien in einem Online-Workshop über aktuelle Herausforderungen und Lösungsansätze aus. Mit dabei waren unter anderem die Sarajevoer regionale Entwicklungsagentur SERDA, der Kommunalbetrieb KJKP Rad, die Stadt Sarajevo, die Berufsschule für Textil und Design, Wirtschafts- und Verwaltungseinrichtungen, NGOs sowie Expert*innen der Wiener Abfallwirtschaft (MA 48).

Im Mittelpunkt standen Fragen zur Sammlung, Wiederverwendung und zum Recycling von Textilien. Diskutiert wurden insbesondere die Rolle der Kreislaufwirtschaft, das Verhalten der Bürger*innen, bestehende Infrastruktur sowie der Bedarf an besserer Information zur richtigen Entsorgung.
Die Expert*innen der SERDA (Sarajevo Economic Region Development Agency) stellten aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Kanton Sarajevo vor und betonten, dass Textilabfälle zunehmend zu einem Problem für Bevölkerung und Institutionen werden. Im Rahmen des Interreg-Donauraumprojekts Green-Tex wurden bereits Pilotlösungen für die Sammlung von Textilabfällen entwickelt, darunter Container mit Sensoren zur Echtzeitüberwachung und verbesserten Logistikplanung.

Wiener Erfahrungen und neue Ansätze

Die Expert*innen der Abteilung Abfallwirtschaft, Straßenreinigung und Fuhrpark (MA 48) präsentierten das System der Textilabfallbewirtschaftung. In Österreich fallen jährlich rund 213.000 Tonnen Textilabfälle an. Ein Großteil davon landet im Restmüll, während nur rund ein Viertel getrennt gesammelt wird.

Ein zentrales Thema war zudem die sinkende Qualität von Textilien infolge von Fast Fashion sowie die gleichzeitig steigenden Mengen an Textilabfällen. Diese Entwicklung stellt die bestehende Verwertungsstruktur vor große Herausforderungen. Besonders großes Interesse weckte daher die Ankündigung der Stadt Wien, das Aufstellen von Textilsammelcontainern im öffentlichen Raum ab 2027 zu verbieten. Gründe dafür sind etwa Verunreinigungen durch Beraubungen, Vermüllungen sowie fehlende Transparenz bei den Verwertungswegen. Wien arbeitet stattdessen an stärker kontrollierten Sammelsystemen, wie zum Beispiel über Mistplätze oder soziale Einrichtungen und lokalen Wiederverwendungsstrukturen. Auch das Konzept der erweiterten Hersteller*innenverantwortung (EPR) soll künftig eine zentrale Rolle im Textilbereich spielen.

Sowohl in Wien als auch in Sarajevo spielen neben öffentlichen Institutionen auch private Unternehmen und NGOs eine wichtige Rolle bei der Wiederverwendung von Textilien und der Entwicklung nachhaltiger Lösungen. Der Workshop zeigte, dass beide Städte trotz unterschiedlicher Rahmenbedingungen vor ähnlichen Herausforderungen stehen – insbesondere bei Infrastruktur, Marktbedingungen und Bewusstseinsbildung. Zugleich wurde das große Potenzial für weiteren Wissensaustausch und gemeinsame Lösungsansätze sichtbar.

Weitere Informationen

Kreislaufwirtschaft – Stadt Wien
Verbot Altkleider-Sammelcontainer ab 1. Jänner 2027 – Stadt Wien
48er-Tandler - Altwarenmarkt – Stadt Wien
Sarajevo Economic Region Development Agency (SERDA) (Englisch)
Green-Tex (Englisch)