Integrativer Hochwasserschutz Liesingbach

Gewässermanagement: Wien teilt Erfahrungen mit Sarajevo

17.9.2026

Was müssen Städte tun, um ihre Flüsse besser vor Hochwasser zu schützen? Wie ist es möglich, die Wasserqualität zu steigern und gleichzeitig attraktive Freiräume für die Bevölkerung zu schaffen? Diesen Fragen widmete sich ein Online-Städteworkshop zwischen Wien und Sarajevo am 17. September 2026. Während die bosnischen Teilnehmer*innen die durch Sarajevo fließende Miljacka im Blick hatten, sprachen die Expert*innen aus Wien über wichtige Maßnahmen am Liesingbach sowie Erfahrungen mit integrierter Gewässerentwicklung.

Zunächst drehte sich der Workshop um das Projekt "Die saubere Miljacka" der Stadt Sarajevo. Dabei sind für 2026 unter anderem Investitionen in die Abwasserinfrastruktur, eine effizientere Abfallbewirtschaftung und Maßnahmen zur Verringerung des Hochwasserrisikos vorgesehen. Denn der Fluss, aber auch seine Zuflüsse sind von unterschiedlichen Umweltbelastungen betroffen. So belasten etwa ein sanierungsbedürftiges Kanalnetz und die teilweise fehlende Trennung von Schmutz- und Niederschlagswasser die Miljacka. Eine besondere Herausforderung ist die Abstimmung zwischen den verschiedenen Verwaltungsebenen, die für Gewässer, Kanalisation, Raumplanung und Umweltschutz zuständig sind.

Liesingbach: Vom regulierten zum naturnahen Gewässer

Danach schilderten die Expert*innen der Abteilung Wiener Gewässer (MA 45) ihre Erfahrungen, die sie beim Liesingbach sammeln konnten. Die Renaturierung des Liesingbachs zeigt, wie sich ein stark reguliertes Gewässer schrittweise zu einem naturnäheren Fluss entwickeln lässt. Dabei geht es nicht nur um ökologische Verbesserungen. Der Hochwasserschutz, die Gewässerökologie, die Biodiversität, die Klimaanpassung und die Gestaltung attraktiver Freiräume werden gemeinsam geplant. Voraussetzung dafür ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Dienststellen und ein leistungsfähiges Kanalnetz. Expert*innen von Wien Kanal, ebenfalls beim Städteworkshop anwesend, präsentierten ihren Beitrag zum Trennkanalsystem des Liesingbachs. Auf großes Interesse stießen etwa Wiens Erfahrungen aus dem EU-Projekt LIFE EnCAM.

Hochwasserschutz, Beteiligung und Klimawandel

Hochwasserschutz und ökologische Gewässerentwicklung müssen von Beginn an gesamtheitlich gedacht werden, waren sich die Expert*innen einig. Wien konnte dahingehend beim Liesingbach bereits Erfahrungen darin sammeln, Hochwasserschutz, Gewässerökologie und Freiraumgestaltung in Einklang zu bringen. Sarajevo steht bei der Miljacka und ihren Zuflüssen allerdings vor etwas anderen Rahmenbedingungen. Besonders kleinere, teilweise verrohrte Zuflüsse stellen bei Starkregen eine Herausforderung dar.

Die Beteiligung der Bevölkerung ist in Wien ein wesentlicher Bestandteil der Gewässerentwicklung. Sarajevo verfügt dahingehend über gesetzlich verankerte öffentliche Beteiligungsverfahren und erprobt darüber hinaus neue partizipative Ansätze. Eine Herausforderung bleibt, deren Ergebnisse in die formellen Planungsprozesse zu integrieren.

Der Klimawandel erweitert indes die Anforderungen an die Gewässerplanung. Der trockene Sommer 2026 zeigte beiden Städten, dass urbane Gewässer künftig sowohl auf Hochwasser als auch auf Wasserknappheit vorbereitet werden müssen.

Weitere Informationen

Stadtverwaltung Sarajevo – Stadt Sarajevo (Englisch)
Abteilung Wiener Gewässer (MA 45) – Stadt Wien
Wien Kanal – Stadt Wien
EU-Projekt LIFE EnCAM – Stadt Wien